Historisches

Friedersdorf wurde in der Mitte des 12. Jahrhunderts als Sackgassendorf gegründet. So nennt man eine ländliche Siedlungsform, bei der die Häuser beiderseits des Weges liegen, an dessen Ende hufeisenförmig angeordnet; oft aus Erweiterung von Rundlingen entstanden.

Es vergingen fast vier Jahrhunderte, bis im Dorf die erste Gaststätte, die "Friedersdorfer Schänke", öffnete. In der Bitterfelder Chronik findet sie erstmals im Juni 1591 Erwähnung, die damals über ein Vorkommnis in der Schänke berichtete. Leider sind keine weiteren Überlieferungen aus dieser Zeit bekannt.

Am 17. Juni 1836, erblickte in diesem Haus der Pädagoge Ernst Lausch das Licht der Welt. Er wurde nicht nur als Herausgeber des Schulblattes für die Provinz Sachsen bekannt, er machte sich ebenso einen Namen als Schriftsteller, insbesondere als Jugendschriftsteller.

Nach dem ersten Weltkrieg ging die politische Polarisierung auch am Gasthof "Zum Stern" nicht spurlos vorüber. Die SPD richtete hier für sich und ihre nachstehenden Organisationen ein Vereinslokal ein.

Knapp drei Jahrzehnte später, in der Zeit des Zweiten Weltkrieges, hatte das Lokal zunächst mit der Einschränkung des Bier- und Schnapsausschanks zu kämpfen, der in den letzten Jahren sogar absolut verboten wurde. Seit Kriegsbeginn fanden auch keine Tanzveranstaltungen mehr statt.

In der Zeit von Februar bis April des Jahres 1945 wurde der Saal des Gebäudes zu einer Außenstelle eines Frauenkonzentrationslagers umfunktioniert. Kein rühmliches Kapitel in der Geschichte des Hauses, auch wenn niemand der damals hier inhaftierten Frauen ums Leben kam.

Die Gaststätte blieb auch 1946, nach Ende des Zweiten Weltkrieges, wichtiger Anlaufpunkt für die Friedersdorfer Bevölkerung. Nach den düsteren Kriegsjahren hatten die Einwohner des kleinen Dorfes inmitten des Industriegebietes Bitterfeld-Wolfen enormen Nachholebedarf und sehnten sich nach Tanzabenden und geselligem Beisammensein. Damals so bekannte Schlagersänger wie Rudi Schurike (Kaprifischer) waren in diesem Haus zu Gast. Es wurde gleichermaßen Vereinsgaststätte für die Sportler.

In den 50er Jahren übernahm die Gemeinde den Gasthof und baute ihn zu einem Klubhaus aus. Er wurde in "Klubhaus der Werktätigen" umbenannt. Der 1964 gegründete Dorfklub fand im Gebäude seinen Sitz und ließ das Klubhaus zu einem Zentrum der kulturellen Betätigung werden. Der Dorfklub war der erfolgreichste im damaligen Kreis Bitterfeld. Sicher war dies auch ausschlaggebend dafür, dass der Gasthof in den Folgejahren mehrmals umgebaut und erneuert werden konnte. Eine Bar wurde in den Saal eingebaut und in der ersten Etage entstand eine Bauernstube.

In den letzten Jahren der DDR erfolgte die Bewirtschaftung der Gaststätte durch die damalige Handelsorganisation und das Haus etablierte sich als Vereinsgaststätte des Verbandes der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter.

Nach der politischen Wende in der DDR war das Objekt zunächst dem Verfall preisgegeben. 1996 wurde das Haus wieder in private Hand gegeben und von den neuen Eigentümern umfangreich und liebevoll saniert. Zwei Jahre später, im Oktober 1998, wurde der Gasthof wieder eröffnet und erfreut sich seither wieder großer Beliebtheit.